16. Elbe-Brücken-Lauf

Wenn einfach nichts passt, dann bleibt nur noch eins: Bring das Ding ins Ziel, egal wie.

Der Halbmarathon am vergangenen Sonntag war mies.

Da gibt es nichts zu beschönigen, es ist einfach so. Vielleicht tu ich mich deshalb so schwer damit, Worte dafür zu finden.
Mein innerer Monk verlang aber auch für diesen Wettkampf einen Beitrag, also schau ich mal, ob ich diese mittlere Katastrophe nicht doch irgendwie in Worte fassen kann.

Die Vorbereitung lief nicht so gut.
Ich bin viel gelaufen, habe auch versucht, mich so gut wie möglich an den Trainingsplan zu halten, letzten Endes haben mir aber einfach die Tempoeinheiten gefehlt.
Das lag einerseits an einem Infekt, der mich einige Zeit lahmlegte, zum anderen hatte ich schlicht keine Lust auf Tempo. Ich wollte lieber lang laufen. Lang und langsam und so weit wie nur eben möglich.
Glücklicherweise konnte ich das in zwei Wochen Urlaub ziemlich gut umsetzen, unglücklicherweise überlastete ich mich damit wohl ein wenig, sodass ich mit sehr müden, sehr schweren Beinen zurückkehrte und tempomäßig nun wirklich absolut gar nichts mehr ging.

Die Motivation war irgendwo, nur nicht bei mir.
Mit jeder abgebrochenen Tempoeinheit, mit jedem übermüdeten Dauerlauf und mit jedem gescheiterten Fahrtspiel sanken Lust und Motivation – und wenn der Kopf nicht mitspielt, dann streiken eben auch die Beine, ganz gleich, wie gut der Trainingszustand eigentlich ist.
Das Lauftraining am Mittwoch vor dem Wettkampf, bei dem ich eine ziemlich gute Tempoleistung abrufen konnte, konnte meine Laune leider nur kurz verbessern. Ich setzte alles auf Tapering und Ruhe, in der Hoffnung, dass ich zum Wettkampf wenigstens ausgeschlafen sein würde.

Das Wetter war einfach grauenvoll.
Die ganze Woche lang bis kurz vor Abfahrt nach Magdeburg aktualisierte ich quasi stündlich alle verfügbaren Wetter-Apps, in der Hoffnung, sie alle hätten bis dahin geirrt und es würde statt der vorhergesagten 25°C und praller Sonne vielleicht doch 15°C und Nieselregen geben.
Tja. Leider nicht.
Zugegeben, ich hatte es genau so erwartet, hatte ich doch bereits 2016 die Hitze und die erbarmungslose Sonne auf der 13-km-Strecke verflucht.
Um das mal kurz zusammenzufassen: Wenn man auf 13 km schon flucht und zerläuft und gegen die Hitze kämpft, dann wird das auf 21,1 km nicht besser.
Die Strecke an sich ist so schön, sie ist flach, sie ist schnell, sie führt entlang der Elbe, durch den Herrenkrugpark und durch den Stadtpark. Sie bietet aber so gut wie keinen Schatten und die endlos langen, geraden Wege lassen nicht nur einmal fragen, wann man denn endlich im Ziel ankommt.

Dieser Körper ist für solche Wettkampfbedingungen nicht gemacht.
Hand auf’s Herz – ich hasse Hitze.
Alles über 23°C ist für mich die pure Qual, im Alltag eh und beim Sport noch sehr viel mehr.
Mein Körper kommt damit nicht klar und ich hab es aufgegeben, das irgendwie zu trainieren. Es funktioniert einfach nicht und Punkt.
Das führte nun beim Elbe-Brücken-Lauf dazu, dass ich – auch wegen bereits oben genannter Gründe – ohnehin alle Erwartungen bezüglich Bestzeit abgelegt hatte.
Nach den ersten sechs Kilometern verabschiedete ich mich zudem von dem Wunsch, wenigstens unter zwei Stunden zu laufen. Ich nahm jeden Verpflegungspunkt mit, zwei Becher Wasser in den Corpus, einen über den Kopf, das ganze viermal.
Am vierten Verpflegungspunkt, an der Hubbrücke, ungefähr drei Kilometer vor dem Ziel, hätte ich dann wirklich fast geschmissen.
Ich hatte keine Kraft mehr, die Luft war raus und Spaß und Lauflust hatten sich auch längst in der Elbe ertränkt. Ich wollte einfach nur noch im Schatten sitzen, heulen und alles hassen.
Während ich aber übers Aufgeben nachdachte, liefen die Beine zum Glück einfach weiter, sodass ich mich auf einmal auf der Sternbrücke wiederfand und mich ziemlich schnell damit abfand, die letzten zwei Kilometer nun doch einfach irgendwie zu Ende zu bringen. Automatismus fetzt!
Die Uhr zeigt 02:03:irgendwas, als ich mit den letzten Kraftreserven über die Ziellinie „rannte“, meine Medaille in Empfang nahm und zitternd und mit Sternen vor den Augen in Tränen ausbrach, während der Laufmotivator vom Rand zu mir kam, um mir zu gratulieren und mich anschließend zu beruhigen.

Tja und dann saß ich da…
Frisch geduscht, auf dem Weg zu meinen Eltern, hatte gerade einen Halbmarathon unter widrigsten Bedingungen gefinisht – und war irgendwie enttäuscht, irgendwie glücklich, und hatte das Gefühl, diese Medaille kein Stück und gleichzeitig am allermeisten von allen bisher gesammelten zu verdienen.

Auch heute, eine Woche später, weiß ich den Lauf noch immer nicht so richtig einzuordnen. Ehrlicherweise denk ich aber auch nicht mehr so wirklich daran.
Haken dran, gut is‘.
Der Fokus liegt jetzt eh auf dem Training für den Karwendelmarsch und ich bin vor allem froh, dass der Halbmarathon vorbei ist und ich jetzt viel und lange trainieren und dafür sogar öfter mal in die Berge fahren darf.
Der Kopf ist also längst bereit für die neuen Abenteuer und der Elbe-Brücken-Lauf wird mir (so traurig das auch ist), höchstens als „irgendsoein Halbmarathon, an dem ich mal teilgenommen habe“ in Erinnerung bleiben.
Wenngleich er wohl trotzdem mehr für meine mentale Stärke getan hat, als mir bewusst ist.

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