Mach’s gut, 2018!

Um ehrlich zu sein, ich bin kein allzu großer Freund dieser Jahresrückblicke. Das mag vor allem daran liegen, dass ich bei den vergangenen Jahren zumeist mehr als froh war, als sie endlich vorbei waren.
Dieses Jahr ist das irgendwie anders. Ich bin auch in diesem Jahr froh, es endlich überstanden zu haben, zumal für 2019 schon wieder so viel geplant ist, ich kann aber auf das scheidende Jahr endlich einmal mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung zurückblicken.

Es ist ein bisschen verrückt, aber wenn man sich mal überlegt, dass ich noch gar nicht so lange wirklich ambitioniert laufe, war das, was ich in diesem Jahr sportlich geleistet habe, ganz schön … naja … krass.

Im März habe ich in der Eiseskälte Dresdens eine neue persönliche Bestzeit über zehn Kilometer aufgestellt, mit der ich im Vorfeld niemals gerechnet hätte. Im Mai habe ich mich bei brüllender Hitze und kurz vorm körperlichen Kollaps in Magdeburg ins Halbmarathon-Ziel gequält und dann war es das im Grunde mit den Straßenläufen.
Wann immer ich konnte, war ich beim Laufmotivator und wir gewöhnten mich an die Berge, an die Trails und ans Auf und Ab in Deutschlands Süden.
Ende August war es dann soweit und ich fand mich an der Startlinie des Karwendelmarschs wieder.

Vom Straßenhalbmarathon zum Ultratrail – ich hatte schon bessere Ideen, ich hatte aber auch schon weitaus dümmere Ideen. Was mich überhaupt dazu trieb?
Sagen wir mal so: Sicher hätte ich vorher bei einem Marathon testen können, ob mir die Distanz überhaupt liegt, bloß hätte ich da wieder mit einem Zeitziel trainiert und ich bin mir sehr sicher, dass mir der Druck dahinter jede Freude am Training und am Laufen genommen hätte.
Indem ich auf die Trails auswich, hatte ich zwar zehn Kilometer mehr vor mir, aber eben auch die Gewissheit im Hinterkopf, dass ich im Zweifelsfall wandern könnte, wenn es denn gar nicht mehr ginge.

Nun, wie bereits berichtet, ging es weitaus besser als gedacht, was sich auch ein wenig auf die Planung fürs nächste Jahr auswirkt. Dazu später mehr.

Was ist in diesem Jahr noch passiert?
Ich war sehr oft sehr mutig. Ich habe Dinge vollbracht, die alles andere als einfach für mich waren und ich wurde belohnt.
Nein, mein Leben ist jetzt nicht nur noch Glitzer und Konfetti und Sonnenschein, aber ich merke, dass ich ein paar sehr richtige und sehr wichtige Entscheidungen getroffen habe.
Ich habe mich sportlich selbst herausgefordert und bin dabei in einer Art und Weise über mich hinausgewachsen, die ich mir nie zugetraut hätte.
Ich habe mit dem Laufmotivator ein paar Ecken Europas erkundet und habe mich hinter der Kamera weiterentwickeln können.
Ich habe es geschafft, mich an die Berge nicht nur zu gewöhnen, sondern mich tatsächlich ordentlich in sie zu verlieben – ich bekomme mittlerweile sogar regelmäßig heftige Anflüge von Bergweh. (Erzählt es aber nicht dem Meer, ja? Es soll nicht eifersüchtig werden und wird eh für immer meine Nummer eins bleiben.)
Ich habe Leipzig verlassen, diese Dre…..diese Stadt, die mir in den zwei Jahren, die ich dort verbringen musste, überhaupt nichts Positives beschert hat, die mich psychisch an und über meine Grenzen gebracht und die mich fast zerbrochen hat.
Ich habe den Job gekündigt, zu dem ich mich jeden Morgen prügeln musste, in dem ich so gut wie immer allein war, in dem kein Teamgefühl vermittelt wurde (außer es ging gegen einzelne bestimmte Mitarbeiter), in dem ich gelernt habe, dass es wirklich noch Firmen gibt, die nach der Devise „Nicht geschimpft ist genug gelobt!“ agieren und in denen sich Mitarbeiter nach oben arbeiten, indem sie ihre Kollegen hintergehen.
Ich war so oft krank, ich war immer unter Spannung, ich war gestresst und meine Zusammenbrüche in dieser Zeit sind unzählbar.
Ich habe also die Reißleine gezogen.
Ich habe eine neue Arbeit, ein wunderbares Team, eine echte Möglichkeit der freien Tagesplanung und vor allen Dingen: Ich habe ein neues Zuhause und darf mit dem wunderbarsten Mann zusammenleben, den man sich nur an seiner Seite wünschen kann.

Mag sein, dass sportlich seit dem Karwendelmarsch nicht mehr viel passiert ist. Mag sein, dass mir die Winterlaufserie herzlich egal ist. Mag sein, dass ich nicht mehr so wirklich im Training bin.
Ich bin jedenfalls so gelöst und glücklich wie zuletzt in Magdeburg und einfach nur dankbar für die letzten Monate.

Heute ist der letzte Tag des Jahres und ich blicke ein wenig stolz auf das zurück, was ich geschafft und geleistet habe.
Außerdem blicke ich voller Vorfreude und mit weitaus weniger Angst und Ungewissheit als bisher ins neue Jahr.

Der Karwendelmarsch hat mir ziemlich viel Mut und Kraft geschenkt. Ich werde mich also im Frühjahr mal an einem Marathon versuchen.
Die Ferienwohnung und der Startplatz sind natürlich längst gebucht und ich freue mich, nach sehr vielen Jahren endlich mal wieder auf dem Darß meine Zeit zu verbringen.
Im Juli wage ich mich dann an eine Zwei-Tage-Challenge im Kleinwalsertal, die mich hoffentlich gut auf meine erneute Teilnahme am Karwendelmarsch vorbereiten wird.
Dieser Lauf hat mich ein bisschen süchtig gemacht, schätze ich – und wenn ich bedenke, wie viele Kilometer ich eigentlich gewandert bin, die ich locker hätte laufen können, dann ist da vielleicht sogar eine kleine Verbesserung drin. (Außer das Wetter ist zu schön. Dann lauf ich vielleicht schneller, muss aber leeeiiider auch mehr Fotostopps einlegen.)

Um diese drei Wochenenden basteln wir aktuell Urlaube, Städtetrips, die Wettkämpfe des Laufmotivators, Trainingswettkämpfe undundund … und Familie und Freunde wollen uns ja auch immer mal noch zu Gesicht bekommen.

2019 wird also stressig, aber es wird wunderschön stressig und eins weiß ich jetzt schon mit Gewissheit: Egal, wie die Wettkämpfe ausgehen, ich kann danach immer wieder nach Hause. Weil ich endlich angekommen bin in diesem Leben.
Und das ist alles, was zählt.

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