Kreuzberg50 – fränkische Schlammschlacht und Bier

Es ist ja ein bisschen verrückt, was dieses Internet so alles kann.

Milliarden Katzenvideos bereithalten, seltsame Rezepte zur Verfügung stellen, abenteuerliche Shipments zwischen den Charakteren von Lieblingsserien hervorbringen – oder eben eine Menge verrückter Leute in leuchtend bunter Funktionskleidung zusammenführen.

Letzteres geschah nun am vergangenen Wochenende und nachdem Daniel, Sebastian, Chris, Christian und Sascha bereits ihre Eindrücke in Worte gefasst haben, und es sogar ein Video und einen Schnaufwechsel zu diesem Zusammentreffen gibt, will ich jetzt auch mal versuchen, ein wenig über den Kreuzberg20bis50 zu berichten.

Meine Laufsaison 2017 war eigentlich schon eine Woche zuvor in Magdeburg zu Ende gegangen, doch Flo und Franzi hatten zum Kreuzberg50 geladen. Hierbei ging es nicht um Bestzeiten oder Höher-Schneller-Weiter, sondern um den Spaß an der Freude, ums Laufen und Beisammensein, ums Kennenlernen und Wiedersehen.
Der Kreuzberg50 sollte ein kleiner, feiner Einladungslauf sein, privat organisiert für die und von der Twitterläuferfilterblase und für alle anderen, die laut genug „Hier!“ schrien, als es darum ging, wer denn mitlaufen wollen würde.

Es sollte mein erster Traillauf überhaupt werden, ich war gut drauf, ich freute mich und war gespannt auf die anderen Verrückten, die sich da versammeln würden – und da ich an den Tagen zuvor von einer fiesen Erkältung heimgesucht worden war, war auch die Regeneration nicht zu kurz gekommen.
Fünf Runden à zehn Kilometer um und über den Kreuzberg (nein, nicht in Berlin) galt es zu bewältigen. Über Stock und über Steine (aber brich dir nicht die … Entschuldigung) … ähm, wo war ich? Ach ja. Über Stock und Stein und kreuz und quer und sowieso und überhaupt.

Zusammen mit dem Laufmotivator ging es am Samstagabend nach Kronach. Wir erhielten ein kurzes Briefing und die Info, dass der Start aufgrund des angekündigten Sturmtiefs von 6 Uhr auf 8 Uhr verschoben wurde. Dass wir darüber nicht allzu traurig waren, muss ich vermutlich nicht noch erwähnen.
Auf der „Pasta-Party“ traf ich viele neue Leute und auch einige, die mir bereits bei vergangenen Laufveranstaltungen oder sonstigen Anlässen über den Weg gelaufen waren. Es wurde viel erzählt, viel gelacht und es floss reichlich Frankenstoff-Bier, das ich wirklich sehr empfehlen kann.

Irgendwann zogen wir uns dann in unser Hotel zurück, denn auch, wenn es am nächsten Tag nicht darum gehen sollte, Rekorde zu brechen, so wollten wir dennoch versuchen, ein wenig Schlaf abzubekommen.

Der Wecker am nächsten Morgen klingelte viel zu zeitig, was aber nicht weiter schlimm war, da ich schon weit vorher geweckt worden war – von dem Konzert, das der strömende Regen und der Sturm draußen vor unserem Fenster veranstalteten.
Na, das sah ja vielversprechend aus.

Wir hatten so unsere Zweifel, ob es tatsächlich bis 8 Uhr aufklaren würde, als wir uns auf den Weg machten. Während des Frühstücks wurde der Himmel dann aber tatsächlich immer heller und als wir kurz vor acht die Startnummern anlegten, hatte sich der Wind etwas gelegt und sogar die Sonne hatte sich durch die Wolken gekämpft. Wir stellten uns noch schnell für ein Gruppenfoto zusammen und dann ging es auch schon los.

kreuzberg50_endurange1
© http://www.endurange.com

Die erste Runde wollten wir alle gemeinsam bewältigen, ich merkte aber schon nach wenigen Schritten, dass ich an den anderen kaum würde dranbleiben können. Die Erkältung steckte mir noch in den Gliedern und Anstiege war (und bin) ich ja gleich gar nicht gewöhnt.
Ich trottete also hinter den andern her und glücklicherweise blieb André die ganze Zeit in meiner Nähe.

Die Strecke war (für mein Empfinden) doch recht anspruchsvoll, trotzdem hatte ich lange nicht mehr solchen Spaß am Laufen. Ich genoss die kalte, klare Herbstluft, den Wald und die Sonne und dass ich jeden noch so kleinen Anstieg gehen musste, störte mich herzlich wenig.

In der ersten Runde war eigentlich alles geboten, was man sich für einen Traillauf nur vorstellen kann – mehr oder weniger steile Anstiege, Waldwege, schmale Pfade, überflutete Wiesen, schöne Abwärtspassagen und jede Menge Matsch. Und auch das Wetter wollte wohl dafür sorgen, dass selbst die, die nur für eine Runde angetreten waren, voll auf ihre Kosten kommen; waren wir noch bei Sonne und einer leichten Brise los gelaufen, so frischte der Wind unterwegs doch auf, der Himmel zog sich zu und noch während wir einen Regenbogen bestaunten, begann es auf einmal, nahezu horizontal zu regnen.
Alles andere wäre ja aber auch langweilig gewesen.

Die zehn Kilometer waren irgendwie ziemlich schnell vorbei, meine Lunge und mein Kopf waren völlig dicht, mir war saumäßig kalt und ich war ziemlich durchnässt, aber die Beine fühlten sich noch gut an – und ich hatte Bock auf diese Strecke. Also ignorierte ich nach einer kurzen Aufwärmpause die Vernunft, zog mir noch eine Jacke über und ging zusammen mit meinem Laufmotivator auf die zweite Runde.

Auch die lief ziemlich gut, jedoch merkte ich zum Ende hin, wie langsam die Kräfte schwanden. So gern ich noch ein drittes Mal losgelaufen wäre – eine ganze Runde hätte ich einfach nicht bewältigen können.
Ich beließ es also bei zwanzig Kilometern, ging duschen und besann mich danach auf das, was ich bei Läufen am besten kann: das Buffet plündern und Leute anfeuern.

Nach und nach trudelten dann auch immer mehr Läufer ein, die ihren Lauf für beendet erklärten und am Ende waren es nur noch vier, die tatsächlich die fünfzig Kilometer angingen und auch ins Ziel brachten.

Viel bleibt mir am Ende nicht mehr zu sagen, nur, dass ich am Sonntag wirklich wahnsinnig viel Spaß hatte und es wirklich schön war, mal „unter sich“ zu sein und in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter an den Start zu gehen.
Ich fürchte auch, ich habe ein wenig Blut geleckt, was Trails angeht – irgendwie liegen mir Wälder und Wiesen wohl tatsächlich mehr als Asphalt und Häuserschluchten und vielleicht wird sich das in der Wettkampfplanung für 2018 auch etwas niederschlagen.

Wir werden sehen, ein bisschen Zeit hab ist ja noch und jetzt ist erstmal Off-Season. Ich hab eine Erkältung auszukurieren und den Laufmotivator will ich auch noch das ein ums andere Mal in die Berge schleppen (Eingewöhnung für Flachlandindianer und so) – aber andererseits fehlen mir nur noch 180 Kilometer für 1500 Laufkilometer in 2017…

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