Benzin und Kartoffelchips

Komischer Titel? Ja, vielleicht.

Aber auch ein großartiges Lied von Kettcar, mit einer Zeile, die mich seit dem ersten Hören nicht mehr so recht loslassen will:
„Irgendwann ist irgendwie ein andres Wort für nie.“

Was für ein schöner und treffender Leitspruch für die nächsten Monate.

2017 ist abgehakt. Für gut befunden, Strich drunter gezogen – weitermachen.
Für 2018 habe ich mir vor allem eine Sache vorgenommen: Grenzen zu verschieben.
Da ist jede Menge Ehrgeiz und ungewohnt viel Zuversicht und ich will endlich den Mut über die Selbstzweifel triumphieren sehen.

Zugegeben, das Jahr ging nicht sonderlich vielversprechend los.
Kaum stand die grobe Wettkampfplanung, da grätschten mir auch schon Infekte und Allergien in den Trainingsplan. Antibiotikabedingte Zwangspausen sind alles, aber sicher nicht lustig.

Nun habe ich ja zum Glück im vergangenen Jahr sportlich einiges geleistet, auf das ich wirklich stolz bin.
Ich bin meinen ersten Halbmarathon gelaufen – und dann einen zweiten, einen dritten … und mittlerweile kann ich über einen Lauf über 20 Kilometer reden, als wäre er ein etwas intensiverer Spaziergang.
Dafür, dass ich niiiiie im Leben einen Halbmarathon laufen wollte, fühlt es sich mittlerweile doch gar nicht mehr so schlimm an.
Und ich bin heute ganz schön stolz auf meine Bestzeit, die ich mir über Monate hart erarbeitet und im Oktober in Magdeburg aufs Parkett (oder besser auf den Asphalt) geknallt habe. Deutlich unter zwei Stunden – damit hätte ich Ende 2016 bei der Anmeldung zum Rennsteiglauf niemals gerechnet.

Wenn man es schafft, die eigenen Grenzen so zu verschieben und merkt, was man zu leisten imstande ist, wenn man nur will und sich nur traut, dann macht das komische Sachen mit einem.
Ich spüre, dass mein Selbstvertrauen gewachsen ist und ich merke, dass die Freude an der Bewegung, die mir nach dem Umzug nach Leipzig irgendwie abhandengekommen war, wiederkehrt. Zusätzlich merke ich, dass mir das, was im letzten Jahr auf dem Plan stand, für dieses Jahr nicht mehr reichen wird. Irgendwie möchte ich mehr.

Ich denke schon seit einiger Zeit darauf herum, dass ich mich vielleicht doch auch mal an einem Marathon versuchen könnte. Es stand im Herbst sogar der grobe Plan, mich für einen Frühjahrsmarathon anzumelden. Hamburg, OEM, … irgendwas würde sich schon finden.
Trotzdem zögerte ich. Ich haderte mit mir, ob es wirklich das war, was ich wollte.

Ja, ich wollte weiter laufen, auf ein größeres Ziel hintrainieren, testen, wie weit ich kommen würde, wie weit ich gehen könnte. Aber wollte ich das so?
Seit geraumer Zeit fühle ich mich in der Stadt zunehmend eingeengt, zunehmend unwohl, zunehmend ermüdet. Keine gute Grundlage für lange Läufe, zumal das Wintertraining wie zu Anfang angedeutet ohnehin nicht gut anlief.

Der Gedanke an einen Straßenmarathon schüchterte mich immer mehr ein und nahm mir irgendwie die Vorfreude, also beschloss ich, den asphaltierten Weg, der so schön vor mir lag, zu verlassen.
Ich bin in die Natur abgebogen. Und ich habe einen Ultratrail gemeldet.

Das war zum Teil sicher eine Kurzschlussentscheidung, aber ich muss auch sagen, mein Chaoskopf hat sich da eine ziemlich schlüssige Erörterung zusammengeschustert, warum ein Lauf durchs Karwendel Ende August eine viel bessere Idee sei als gut 42 Kilometer durch eine Großstadt zu rennen oder an meiner geliebten Elbe entlangzuhetzen.

Diese innere Argumentationskette werde ich hier wohl in den nächsten Tagen auch noch niederschreiben, nicht unbedingt, weil ich glaube, dass sie euch besonders interessiert, sondern primär für mich, damit ich immer wieder darauf zugreifen kann, sollte ich mich in den nächsten Wochen und Monaten fragen, was zum Geier da bloß mit mir los war, dass ich mich zu so einem Quatsch habe verleiten lassen.

Bis zum Karwendelmarsch sind es nun ja aber noch ein paar Monate und damit ich mich bis dahin nicht langweile und schon mal ein paar Kilometer sammeln kann, habe ich noch zwei Wettkämpfe ins Auge gefasst, auf die ich vorher hintrainieren werde.
Zum einen trete ich am 18. März in Dresden zum Citylauf an, zum anderen werde ich mich wohl für den Halbmarathon beim Magdeburger Elbe-Brücken-Lauf Ende Mai anmelden. Danach habe ich dann eine Woche „Pause“ und dann startet auch schon der Trainingsplan für die 52 Kilometer.

Die dafür nötige Trainingsroutine stellt sich langsam aber sicher wieder ein und zu meiner großen Freude merke ich, dass stärker werde – nicht nur körperlich, sondern auch mental.

Ich habe in der letzten Zeit mein Leben in eine neue Bahn lenken können und unter anderem einen sehr wichtigen (wenngleich schwierigen) Schritt nach vorne getan und habe begonnen, nach und nach Schlechtes – sowohl schlechte Einflüsse als auch schlechte Menschen – aus meinem Leben zu verbannen.
Manchmal fiel es leicht, manchmal nicht, nichts davon habe ich bisher bereut. Jede einzelne Entscheidung hat mich nach vorn gebracht und ich merke, wie ich mir dadurch selber Kraft für meinen weiteren Weg nach vorn gebe.
Diese Kraft brauche ich auch, denn vor allem privat stehen jetzt einige ziemlich große Veränderungen bevor. Es wird nicht leicht, aber ich bin durchaus zuversichtlich – und Zuversicht ist etwas, dass ich in den letzten Monaten verloren glaubte.
Vielleicht werde ich da auch mal gesondert drüber berichten, einige von euch wissen ja bereits, worum es geht…

…und wenn nicht jetzt, wann dann?
Denn „irgendwann ist Wohlfühlmist und graue Theorie; irgendwann ist immer nur ein andres Wort für nie.“

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3 Kommentare zu „Benzin und Kartoffelchips“

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