Motivation und Struktur verzweifelt gesucht

Der Herbst ist da, es ist endlich wieder wunderbar kühl draußen und statt die Schuhe zu schnüren und die hervorragenden Laufbedingungen zu nutzen, versinke ich langsam aber sicher in einem morastigen Sumpf aus Arbeit, Stress, Umzugswahn, fehlender Motivation, Selbstmitleid und jeder Menge Mimimi.Das war so alles nicht geplant, aber irgendwie hab ich mich wohl nach dem Karwendelmarsch ein wenig zu bequem hingelegt – und nun lieg ich hier noch immer rum.

Meine Motivation, die mal aus „Verrückt, ich könnte dieses Jahr die 2.000 Laufkilometer knacken!“ und „Verrückt, ich könnte dieses Jahr beim Kreuzberg50 tatsächlich alle fünf Runden schaffen!“ wurde zu einem nagenden Mimimi aus „Naja, 1.800 Kilometer oder so reichen auch, dann hab ich zumindest ein realistisches Jahresziel für 2019…“ und „Vielleicht hätte ich das beim K50 echt packen können, aber ich bin aktuell fett und eklig und untrainiert und ja eh viel zu lahm, um die 50 Kilometer in einer angemessenen Zeit zu laufen, also…“

Nüchtern betrachtet ist jeder Kilometer gut, den ich gerade laufe, auch wenn meine Wochenumfänge auf mickrige 15 bis 20 Kilometer geschrumpft sind.
Ich habe einen neuen Job, der mich unter der Woche komplett in Beschlag nimmt, mir aber auch so viel Spaß macht, dass ich auch mal länger arbeite und nicht wie früher in Leipzig quasi eine halbe Stunde vorm Klingeln schon abhaue, um endlich laufen zu können, weil Laufen das einzig gute war, dass ich im Alltag so hatte.
An den Wochenenden bin ich nun immer in Leipzig gewesen, habe geräumt. habe geputzt, habe Umzugskartons gepackt und Dinge verkauft und verschenkt, die ich im neuen Zuhause nicht brauche – und danach bin ich immer zur Familie gefahren, weil die ja dann nach der endgültigen Wohnungsabgabe doch auch scheiße weit weg sind und ich jetzt die Zeit noch gern nutze, um sie zu sehen.
Nun, und wenn ich nicht gerade arbeite oder räume oder Menschen besuche, dann sitze ich im Auto und fahre hunderte von Kilometern durch die Republik.

Das ist eigentlich alles gar nicht so schlimm und normalerweise mag ich voll ausgeplante Tage und kann mit dieser Art Stress ziemlich gut umgehen.
Nur diesmal grätscht mir mein Kopf voll rein und macht mir mein geliebtes Laufen madig und schmälert mein Selbstvertrauen immens.

Um mal ehrlich zu sein: Mir geht es mies.

Ich würde so unheimlich gern wieder laufen. Gern sehr viel, gerne auch weit. Wälder, Berge, Asphalt – völlig wumpe.
Ich mag, was ich dieses Jahr geschafft habe und ich mag, dass ich ohne größere Blessuren aus den letzten Monaten herausgegangen bin.
Ich würde so unheimlich gern einfach wieder die Schuhe schnüren, die Nase in den Wind halten und lostraben. Und hier findet sich das Problem: Es ist nicht einfach. Es geht einfach nicht einfach.
Ich kann mich nicht dazu aufraffen, zu laufen. Ich bin komplett blockiert und mit jedem Tag, den ich nicht laufe, werde ich unglücklicher. Je unglücklicher ich werde, desto dringender müsste ich mal wieder raus. Und naja – das macht es eben nicht besser.
So befinde ich mich gerade in einer ziemlich miesen Spirale und ich habe keine Ahnung, wie ich hier wieder ausbrechen soll. Ich habe keine Ahnung, wie ich nächste Woche 50 Kilometer schaffen soll.

Ich hab mich sogar aus Twitter, Strava und Co. zurückgezogen, weil ich das wirklich ganz toll finde, was ihr so alle zusammenlauft und wie fleißig ihr trainiert, aber es macht mich eben auch traurig, weil ich das auch gerne will und es Einfach. Nicht. Geht.
Verstärkt wird das miese Gefühl dann noch von unbedachten Kommentaren wie „Jetzt nach dem Karwendelmarsch hast du keine Ausrede mehr für den K50.“ und „Mach dir keinen Kopf, da findet dich keiner zu langsam. Du solltest halt nur schneller als ’ne 08:30er-Pace laufen.“
Ist alles nicht so bös gemeint und normalerweise könnte ich da sicher drüberstehen und das mit einem schiefen Grinsen abtun – aber gerade ist eben kein „normalerweise“ möglich und ich setze mich nun noch unter Druck, was nicht nur unglaublich unnötig sondern auch völlig unbegründet ist.

Tja, und nun ist schon wieder Dienstag und ich habe einen weiteren hervorragenden möglichen Trainingstag an mir vorbeiziehen lassen.
Habe ihm kurz zugewunken, dann weiter gearbeitet und nebenbei Haushaltsdinge erledigt. Nun sitze ich hier, jammere das Internet voll und geh euch allen damit auf den Sack.
Ein wirklich wunderschöner Abend

Und nun: FUMP!

P.S.
Tut mir leid, es musste einfach raus und ich wusste nicht wohin mit den Gedanken.
Da das hier ja aber ein realistischer Laufblog ist und das auch bleiben soll,
warum nicht auch mal berichten, wenn es nicht so läuft? Es ist nun einmal nicht immer alles schön und am Ende ist es vielleicht gar nicht so schlecht, sich auch das immer mal wieder vor Augen zu führen.

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