28. Citylauf Dresden

Als ich diesen Blog begonnen habe, habe ich mir vorgenommen, immer ehrlich zu berichten. Wozu auch irgendetwas beschönigen?
Nun, und um ganz ehrlich zu sein: Ich bin noch nie so unmotiviert und lustlos einen Wettkampf angetreten.

Aber von vorn.

Das Jahr begann nicht wirklich nach Plan, ich war einige Zeit krank und eine wirklich Trainingsroutine wollte sich auch einfach nicht einstellen.
Da ich gemerkt habe, dass ein regelmäßiges Training für mich besser funktioniert wenn ich ein konkretes Ziel habe, habe ich rumgefragt, ob mir nicht jemand einen schönen Zehner für Mitte März empfehlen könne. Am Ende fiel meine Wahl auf den Citylauf Dresden.

Eigentlich wollte ich Zehner nur noch in Vorbereitung auf Halbmarathonwettkämpfe un dergleichen laufen, nicht aber mehr als Hauptwettkämpfe. „Zu viel Gehetze“ und sowieso glaubte ich nicht im geringsten daran, dass ich meine im letzten Jahr aufgestellte Bestzeit noch großartig würde verbessern können.
Da ich mir Anfang des Jahres aber nicht zutraute, im Frühjahr direkt wieder einen Halbmarathon in einer zufriedenstellenden Zeit laufen zu können, entschied ich mich eben doch für das Gehetze.

Nun, das Training lief relativ gut, auch wenn ich recht viel improvisieren musste, weil des öfteren die Zeit oder die Kraft fehlten oder das Wetter einfach zu schlecht war.
Am Ende bin ich testweise einen Zehner auf Tempo gelaufen und habe – ohne es darauf anzulegen – meine Bestzeit aus Pastetten um 6 Sekunden verbessert.
Das mag nicht viel sein, hat mich aber doch in Staunen versetzt, da ich damit nicht gerechnet hatte.

Und dann war das Wettkampfwochenende auch schon da.
Himmel, war ich unmotiviert.
Ich glaubte nicht wirklich daran, dass ich in Dresden groß etwas würde reißen können. Alles tat weh, der Hals kratzte – kurz, das übliche Taperingsmimimi hatte mich befallen.
Hinzu kam, dass es die Tage zuvor kräftig geschneit hatte, der Bahnverkehr kam zum Erliegen und die Straßen um Leipzig waren vor lauter Schnee kaum auszumachen, während die Straßen im Viertel unter einer zentimeterdicken Eisschicht veschwunden waren.
Ich machte mir zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Sorgen, ob ich es am Wettkampftag überhaupt heile nach Dresden schaffen würde.

Es nützte ja aber alles nichts und ich quälte mich am frühen Sonntagmorgen (es war halb fünf, also wirklich, wirklich früh) aus dem warmen Bett, torkelte kurz in die Küche um Tee zu kochen und begann dann rumpelnd meine Tasche zu packen.
Das Wetter sollte irgendwas zwischen richtig gut und oh man werden. Sonne war angesagt, dazu um die -7 °C und ein fieser Wind. Ich schmiss also alles, was ich an warmen Sachen finden konnte, auf einen Haufen und was nicht mehr in die Tasche passte, wurde angezogen.
Schnell noch das Frühstück schnappen, ab zum Auto und hoffen, dass ich beim Ausparken nicht schon in zwei andere Autos rutsche. Der Schnee, der am Abend zuvor noch etwas Halt auf dem Eis der Straßen gegeben hatte, existierte nämlich leider nicht mehr.

Zum Glück schafften wir es unfallfrei auf die Autobahn, kämpften uns dort durch die Schneeverwehungen, ich frühstückte unterwegs ein Stück Müritzer und eine Capri-Sonne und schließlich kamen wir in Dresden an. Wir waren viel zu früh und ziemlich müde, aber immerhin hatten wir noch einen Parkplatz direkt am Start- und Zielbereich ergattern können.

Auf dem Weg zur Startunterlagenausgabe pfiff mir bereits ein eisiger Wind um die Ohren und ich merkte schon, dass dieser Lauf alles andere als einfach werden würde.
Nachdem ich meine Startnummer im Rathaus in Empfang genommen hatte, kamen wir recht schnell überein, dass wir das Gebäude nicht eher wieder verlassen würden, als dass wir es unbedingt müssten.
Wir standen also ziemlich lange einfach nur hübsch in der Gegend rum und gingen nur kurz vor die Tür, um den Start des Elitelaufs anzusehen.
Irgendwann lief ich mich dann warm, gab danach todesmutig meine schützende Regenjacke beim Laufmotivator ab und drängelte mich in den Startblock. Pinguinprinzip sei Dank war es zwischen den schubsenden und drängelnden Läufern gar nicht mehr so kalt und die Sonne war mittlerweile auch hinter den Wolken hervorgekommen.

Es ertönte der Startschuss und schon ging es auf die erste der zwei fünf Kilometer langen Runden. Es lief gut irgendwie zu gut und ich hatte eine ganze Weile den 50-Minuten-Pacemaker gut im Blick und ließ mich einfach treiben.
Ich hatte keine Ambitionen, wusste, wie schnell ich laufen musste, um meine Bestzeit – wenn auch nur um ein paar Sekunden – zu unterbieten, schaute aber nur ein einziges Mal nach meinem Tempo (in dem Moment lag es irgendwo bei 08:41min/km, ich schiebe es mal auf die Dresdner „Häuserschluchten“).
Ohnehin war ich viel zu schnell losgelaufen, gab scheinbar Rückenwind beim Start, und als wir das 1-km-Schild erreichten, wäre ich am liebsten einfach stehengeblieben. Aber der Lauf war ja bezahlt und zurück musste ich eh, also konnte ich auch einfach weiterlaufen.
So hab ich wieder einmal irgendwelchen Quatsch vor mich hingedacht und dann ging es auch schon an die Elbe. Es war so schön, sie wiederzusehen, auch wenn der Wind am Terrassenufer besonders böse pfiff und mir einiges abverlangte.
Nicht lange nach diesem fiesen Stück ging es auf die zweite Runde und ich muss gestehen, dass ich keine wirkliche Erinnerung mehr daran habe. Ich glaube, ich bin einfach nur gelaufen, stur vor mich hin und dann war da der Zieleinlauf.
Auf der dortigen Uhr stand irgendwas von wegen 00:51:41 und was macht der Chaoskopf? Der denkt sich, dass wir eine Sub52 ja eh nicht mehr schaffen und deswegen auch ruhiger machen könnten. Zum Glück können meine Beine nicht denken, die rannten nämlich einfach los und ich stoppte meine Uhr nach exakt 52 Minuten.

Im Ziel nahm ich zitternd und ungläubig meine Medaille und eine Rettungsdecke in Empfang, organisierte mir etwas zu trinken und sah dann schleunigst zu, dass ich wieder ins Warme kam.

Am Ende hatte ich eine Zeit von 51 Minuten und 55 Sekunden erreicht.

CitylaufDD

Was mich an diesem Wettkampf am meisten fasziniert hat, ist, wie unfassbar schnell ich mittlerweile laufen kann. Das klingt vielleicht ein bisschen dämlich und ich weiß, dass ein Zehner in einer solchen Zeit für einige von euch eher ein lockerer Trainingslauf ist, aber für mich ist es eine enorme Steigerung, mit der ich so niemals gerechnet hätte.

Ich trainiere jetzt seit etwas über einem Jahr wirklich spezifisch, soll heißen mit Trainingsplan, mit Pulsbereichen und mit Alternativ- und Ergänzungseinheiten und es scheint sich wirklich auszuzahlen.
Für den Halbmarathon in Magdeburg, den ich einfach nur in unter zwei Stunden laufen wollte, habe ich mit einem 01:54er-Plan trainiert und hab diese Zeit auch tatsächlich erreicht.
Den jetzigen Zehner, für den ich keiner keinerlei Ambitionen hatte, bin ich mit einem 51:30er-Plan angegangen und wieder hab ich diese Zeit fast erreicht – trotz Krankheit, trotz verkürzter Trainingseinheiten und trotz mehr oder weniger widrigen Wetters.

Der ganze Fleiß macht sich scheinbar bezahlt. Das ist einfach so abgefahren und ich bin verdammt gespannt, was die nächsten Wettkämpfe noch für mich bereithalten.

© Beitragsbild: Laufszene Sachsen

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