„Pastetten läuft“ – Da lauf ich mit.

Über Feld-, Wald- und Wiesenwege ging es am vergangenen Wochenende zur neuen Bestzeit. Aber von Anfang.

Ich war in Pastetten.
Pastetten, das ist ein Dorf in Bayern und dieses Dorf – oder besser die dortige TSG – hat am vergangenen Samstag zum ersten Mal einen Laufwettstreit veranstaltet. Wählen konnte man als Teilnehmer zwischen einer Cross-Gaudi über fünf Kilometer und einem Lauf über wahlweise zehn oder auch fünf Kilometer.

Die Strecke war für alle dieselbe, ein laut Ausschreibung fünf Kilometer langer Rundkurs – die Teilnehmer des Crosslaufs hatten lediglich unterwegs noch 10 Hindernisse zu überwinden, an denen die Läufer vorbeirennen durften.

Meine Wahl fiel auf die 10-km-Strecke. Laut Trainingsplan sollte ich an diesem Tag einen Wettkampf mit Zeitvorgabe laufen und das war der einzige Lauf im Umkreis, der zeitgünstig stattfand.
Natürlich hätte ich auch einen Tag später beim München Marathon auf die Zehnerdistanz gehen können, aber 39€ (bzw. 45€, die es wohl in der Nachmeldung waren) waren mir dann einfach zu fett.

Am Samstag war ich schon früh vor Ort, was vor allem der Tatsache geschuldet war, dass ich bei der Wettkampfplanung geschusselt und zu spät bemerkt hatte, dass es gar nicht mal so einfach ist, dieses Örtchen an einem Samstag ohne Auto zu erreichen. Glücklicherweise erbarmte sich der Laufmotivator und fuhr mich hin. So war ich zwar fast zweieinhalb Stunden vor Start da, aber hey – zu spät kommen kann jeder!
Nachdem er wieder weg war, suchte ich erst einmal die Bushaltestelle für die Rückfahrt und dort die Nummer für den Rufbus, der mich nach dem Lauf zur nächsten S-Bahn-Station bringen sollte.
Abenteuerlich, das kann ich euch sagen! Vor allem, wenn man ewig niemanden erreicht und sich schon fast entschieden hat, die sieben Kilometer zur Bahn zu Fuß zurückzulegen.
Zum Glück hat dann doch noch alles funktioniert.

Nachdem ich meine Startnummer abgeholt hatte, galt es immer noch zwei Stunden bis zum Start totzuschlagen und eigentlich verkroch ich mich – perfekt sozialisiert, wie ich nun einmal bin – die gesamte Zeit in der Umkleide und wartete.

Kurz vor dem Start ging ich auf den Sportplatz, um mich ein paar Runden warmzulaufen und dem Start der ersten Welle für die Cross-Gaudi zuzuschauen. Um mögliche Staus an den Hindernissen zu vermeiden, ließ man immer nur zehn Läufer auf einmal losrennen. Gar nicht mal so doof.
Für die „normalen“ Läufer sollte ein Massenstart erfolgen – sofern man bei gefühlt 50 Leuten überhaupt von „Masse“ sprechen kann.
Der Start ging dann auch fast ein wenig unter, wir standen alle im Pulk ein wenig dumm rum, irgendjemand zählte plötzlich sehr leise von drei runter und dann liefen wir einfach los.

Erstmal ein Stück den Radweg entlang, das Gros der Strecke sollte aber über Feldwege, teils geschottert, teils mit Gras bewachsen, führen, ab und zu gab es ein Stück Asphalt. Die Strecke ist sehr flach, dadurch waren lediglich die Wald- und Wiesenanteile wegen des ungewohnten und unebenen Untergrunds anstrengend.

Ich hatte schnell meinen Rhythmus gefunden und die Beine fühlten sich auch durchweg gut an. Trotz des Windes, der in der zweiten Runde noch auffrischte, war mein Tempo in Ordnung.
Dass ich die vom Trainingsplan vorgegebene Zeit nicht würde laufen können, wusste ich schon vorher, aber ich wollte doch wenigstens meine Zeit aus Bad Tölz unterbieten.

Ich kam gut voran und die erste Runde war schnell geschafft, jetzt machte mir aber der Wind doch zu schaffen. Auf Rundkursen kommt der Wind auf mindestens zwei Dritteln der Strecke von vorn, das weiß ich jetzt. Dass immer mal die Sonne rauskam, war auch keine Hilfe, da es dann (gefühlt) sofort extrem warm wurde.

Mitten in der zweiten Runde sah ich auch, dass ich laut meiner Uhr bereits zehn Kilometer gelaufen war. Ich wunderte mich, dachte mir aber nichts weiter dabei. Was sollte ich auch machen? Konnte ja schlecht stehen bleiben und sagen: „So. zehn Kilometer sind rum, ich möchte jetzt bitte gewertet werden und dann nach Hause fahren.“
Also lief ich weiter Richtung Sportplatz, dort wurden wir noch eine Runde herum manövriert (sehr verwirrend) und dann ging es durch den Zielbogen über der Weitsprunggrube.

Ich stoppte meine Uhr nach 01:04:51 – und 12 km.
Im Ziel gab es kein Wasser und auch sonst nichts, womit man schnell seine Lebensgeister hätte reanimieren können und für den Grill und den Kuchenbasar hatte ich (natürlich) in meinen Laufsachen kein Geld.

Also ging ich nur schnell duschen, zog mich um und kaufte dann eine Kleinigkeit zu essen, während ich auf die Siegerehrung wartete.
Es wurden die Erstplatzierten (Männer) über die fünf und die zehn Kilometer aufgerufen und eine Mitläuferin und ich überlegten, ob es wohl auch eine Wertung für die Damen gab.

Als nichts passierte, fragten wir bei der Orga nach, um dann zu erfahren, dass es nur eine Ehrung für den Gesamtplatz gäbe.
Na dann.
Wir zuckten mit den Schultern und ich ging zum Bus.


Ich möchte mit einigen Tagen Abstand gerne ein Fazit ziehen.

Heute, also drei Tage später, ist die allgemeine Enttäuschung noch etwas größer. Heute, wo ich weiß, dass es aufs Treppchen geschafft hätte, wenn man denn auch die Leistung der Damen anerkannt hätte.

Der Lauf an sich war soweit ganz okay, die Strecke ist wie schon geschrieben zwar flach, aber durch den wechselnden Untergrund weder anspruchslos noch langweilig.

Wohlwissend, dass das vielleicht Jammern auf hohem Niveau ist, möcht ich hier noch Feedback zu drei Sachen geben, die mir etwas negativ im Gedächtnis bleiben werden.

1 – Die Verpflegung
Es ist schön, dass an der Strecke einen Tisch mit Wasser und Bananen aufgestellt wurde – aber den hätt es vermutlich nicht gebraucht. Nicht in diesem Ausmaß zumindest.
Da hätte man lieber einen Teil noch im Zielbereich platzieren können, wo die Läufer eher noch etwas zu trinken und Zucker brauchen. Dass man auch als Laufteilnehmer alles im Zielbereich zahlen musste, finde ich persönlich unschön, immerhin hat man auch 12€ gelöhnt.
Ich erwarte kein riesiges Buffet – aber eben irgendwas.

2 – Siegerehrung
Wie erwähnt gab es nur eine Ehrung für die Gesamtsieger. Da kann man sich jetzt natürlich drüber streiten, ob es bei einer Kleinstveranstaltung wie so einem Dorflauf unbedingt zwei Ehrungen geben muss, aber mal ganz im Ernst – warum denn nicht? Und wenn nur zwei Frauen teilnehmen – umso besser! Spart man sich direkt noch einen Preis!
Ich fand dieses Vorgehen schon am Samstag sehr schade und ja – seit ich in der Ergebnisliste gesehen habe, dass ich als erste Frau im Ziel war, bin ich natürlich noch enttäuschter. Für einen Treppchenplatz hätte ich in Pastetten 10 Minuten flinker sein müssen. Das ist so gut wie unmöglich.

3 – Strecke
Nichts gegen den Verlauf und den Untergrund, das war alles in Ordnung. Aber wenn ich einen Lauf über zehn Kilometer ausschreibe, dann sollte die Strecke nicht zwölf Kilometer lang sein. Ein paar hundert Meter hin oder her, da kräht kein Hahn nach, das kann auch ein Fehler am Messgerät sein. Aber zwei Kilometer mehr, die auch alle anderen so gemessen hatten, sind schon arg drüber. Gerade für Leute, die nicht viel und nicht oft laufen, können zwei Kilometer verdammt viel Weg sein.
Ich mein ja nur…


Aber gut.
Ich bin den Wettkampf gelaufen, weil er im Plan stand und auch wenn ich die zehn Kilometer mit 53:50 (laut Strava) anderthalb Minuten langsamer gelaufen bin als vorgegeben, hab ich doch meine Bestzeit wieder verbessern können und damit mein Ziel erreicht.
Haken dran.

Am Wochenende geht es nach Jork, ins Alte Land, wo am Sonntag der Butterkuchenlauf stattfindet. Dort warten sechseinhalb Kilometer auf mich – und hoffentlich Kuchen im Ziel, für den ich nicht erst Geld holen muss.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: