Rennsteigwoche

15. Mai 2017.

Es ist soweit, die Woche des Rennsteiglaufs ist angebrochen. Samstag gilt’s und ich weiß noch immer nicht so recht, was ich von dem Lauf halten soll.
Ich bin weder sonderlich aufgeregt noch in irgendeiner Weise euphorisch. Es fühlt sich mehr wie ein notwendiges Übel an, ein Wettkampf, für den ich halt angemeldet bin und den ich nun eben laufen muss.
In der Läuferfilterblase freuen sich alle auf den Samstag und ich sitz hier und zucke mit den Schultern – und das nicht nur metaphorisch.

Rennsteigwoche, das heißt auch, dass elf Wochen Trainingsplan hinter mir liegen. Oder zumindest hinter mir liegen sollten.
Anfangs hab ich mich ja noch brav an den Plan gehalten, alles abgearbeitet, Tag für Tag, Kilometer für Kilometer. Ich hab allerdings auch gemerkt, dass man ab einem gewissen Punkt Kompromisse machen muss. Hier und da mal einen Tag schieben, dann wieder verletzungsbedingt pausieren (danke an dieser Stelle an meine Achillessehne), dann einfach mal den Plan ignorieren und laufen wie man will und dabei nur grob die vorgegebene Trainingsintensität einhalten.
Alles in allem habe ich es dennoch geschafft, jede Woche viermal laufen zu gehen, in der Verletzungswoche zwar nur dreimal, dafür gab es aber auch eine Woche mit fünf Einheiten. Das ist schon ein bisschen verrückt.
Ich kann dieses Jahr bereits auf 570,4 Laufkilometer zurückblicken. Zum Vergleich: 2016 bin ich im gesamten Jahr „nur“ 521,8 Kilometer gelaufen. Wie gesagt: Verrückt.

In der letzten Woche, der letzten „intensiven“ Trainingswoche vor dem Tapering, hatte ich dann das große Glück, nicht in Leipzig laufen zu müssen, sondern meine Einheiten im wunderschönen Dänemark absolvieren zu dürfen.
Vorgenommen hatte ich mir ursprünglich, jeden Tag zu laufen, vielleicht höchstens einen Ruhetag einzulegen, und einmal die 20-Kilometer-Marke zu knacken. Einfach für den Kopf, weil ich wusste, dass der bevorstehende Halbmarathon ganz sicher besser funktionierte, wenn ich die Distanz (wenigstens annähernd) mal im Training liefe.
Glückskind wie ich bin, hatte ich ab dem zweiten Tag (nach zwei erfolgreichen und schönen Läufen durch die Wälder, über die Dünen und am Strand entlang) ordentlich Schnupfen und Halskratzen. Normalerweise ist das nichts, das mich ausknockt, geschweige denn vom Laufen abhalten könnte, allerdings war ich angesichts des bevorstehenden Wettkampfs dann doch vorsichtig. Wer will schon riskieren, am Wettkampftag flachzuliegen?
Also nur eine kurze Runde an Tag drei und eine Laufpause mit Yoga-und-Kraft-Ersatz am vierten Tag.
Am Freitag war ich dann aber so hibbelig und hatte solche Laufsehnsucht, dass ich die Schuhe wieder schnürte. Der Laufmotivator hatte uns eine schöne Strecke über 20 Kilometer zusammengestellt, die ich auch hätte abkürzen können, hätte ich gemerkt, dass die Kräfte schwinden oder der Schnupfen die Atmung doch zu sehr blockiert. Im Hinterkopf hatte ich aber die ganze Zeit, dass ich die 20 Kilometer schaffen will. Komme was wolle.
Wir liefen also los, zur Mountainbikestrecke im Wald und – zugegeben – ich hab lange nicht mehr so ausdauernd geflucht. Die Nase war dicht, der Kopf dröhnte, mir war schlecht, die Konzentration schwand immer mal wieder, was mich mehrfach zum stolpern brachte und mich einmal über die Wurzeln fallen ließ, und ich war einfach nur müde. Müde und froh, dass wir diesen Teil an den Anfang der Laufrunde gelegt hatten.
Ab der Hälfte dann ging es plötzlich. Die Wehwehchen und Zipperlein verflüchtigten sich nach und nach und ich konnte die herrlichen Pfade durch den Wald immer mehr genießen. Endlich macht es wieder Spaß, ich wurde locker und die Motivation und der Ehrgeiz wuchsen und wuchsen.
Grinsend trabte ich dem Laumotivator hinterher und nach circa elf Kilometern spuckte uns der Wald wieder aus. Ungefähr Halbzeit. Ein Blick von rechts und ein „Alles gut?“ – darauf ein „Klar. Noch zehn Kilometer. Das kann ich. Das bin ich schon mal gelaufen!“ von mir und weiter ging’s, ab in die Dünen.
Das Wetter war toll, wir liefen locker vor uns hin und als ich bei Kilometer 15 mit Meerblick belohnt wurde, ließ ich mich zu einem „Hach. Ich könnt glatt noch zehn dranhängen!“ hinreißen. Sechs wurden mir zugesichert, dann ging es wieder in die Dünen und in den Wald. Nach der Begegnung mit einer Kreuzotter und einigen Treppenstufen legten wir auf einem Spielplatz eine Schaukelpause ein. Es sollte einfach an jeder Laufstrecke die Möglichkeit für Schaukelpausen geben! Die Uhr zeigte da etwas über 19 Kilometer an. Verrückt. So viel war ich noch nie gelaufen. Und die Beine konnten immer noch weiter und dem Kopf ging es gut.
Also weiter, Schritt für Schritt, wir legten sogar noch eine extra Schleife ein, weil wir nicht wussten, ob wir sonst die Halbmarathondistanz würden knacken können. Denn warum auch mit lediglich 20 Kilometer zufriedengeben, wenn da noch was geht? Am Ende konnte ich fast 23 Kilometer ins Lauftagebuch eintragen.
Mir ging es gut danach, ich war kaputt aber glücklich und die wichtigste Kopfeinheit ist nun auch abgehakt. Ich weiß, was ich leisten kann, was meine Beine laufen können und da ich danach nicht völlig erschöpft war und auch der Muskelkater sich in Grenzen hielt, gehe ich nun einfach mal weiterhin davon aus, dass da noch mehr drin ist und ich den Rennsteiglauf ruhig etwas flinker angehen kann als den Trainingslauf, ohne nach der Hälfte komplett einzubrechen.


Diese Woche stehen nur ein paar ruhige Trainingseinheiten auf dem Plan und ich werd mich sehr zusammenreißen müssen, nicht mehr zu machen als ich soll. Ruhe ist einfach so gar nicht meins, aber der Körper wird es mir sicher danken.

Wir werden Samstag sehen, was das Training gebracht hat, ich steh der Strecke wie bereits erwähnt sehr neutral gegenüber, aber ich hab große Lust zu laufen. Und das ist ja die Hauptsache.

Wir sehen uns im Ziel!

2 Kommentare zu „Rennsteigwoche“

  1. Du weisst also, dass Du die Distanz kannst. Das ist ein gutes Gefühl für den Kopf. Der Rennsteig ist jetzt keine Piste, auf der man irgendwelche Bestmarken knackt. Das kann man, so man möchte, bei den Stadtläufen machen. Du wirst nicht um die ersten Plätze laufen, aber auch ganz sicher nicht Letzte werden. Daher mein Tipp: Der Rennsteig ist ein schöner Landschaftslauf mit toller Stimmung. Geh hin, laufe und genieße. Wenn Dir nach zügig ist, laufe zügig. Wenn Dir eine Steigung zu anstrengend wird, dann gehe auch ruhig – das ist durchaus normal. Das ist wie mit der Schaukel, der Plan mag schaukeln nicht vorsehen, aber wenn Dir danach ist – just do it. Wichtig ist, dass Du dir einen großartigen Tag im Thüringer Wald machst. 😉

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    1. Vielen Dank dafür!
      So in der Art sieht der Plan auch aus – ich weiß, was ich kann und dass ich es durchaus noch etwas besser kann. Ansonsten mach ich mich nicht verrückt. Im Gehen bin ich schneller als im Laufen, das hab ich im April schon getestet, und da es mein erster offizieller HM ist, wird so oder so eine Bestzeit fallen, ein Platz auf irgendeinem Treppchen ist mir ebenso unmöglich wie egal. Ich lauf einfach durch den Wald vor mich hin und schau mal, was am Ende bei rauskommt. 🙂

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