Neues Jahr, neues Glück

2017 ist nun erst ein paar Tage alt und bisher kann ich kaum klagen.
Ich möchte bewusst auf einen Jahresrückblick 2016 verzichten, da das Jahr – abgesehen von einigen kleinen Ausreißern – im Grunde eine mittlere Katastrophe war.

Was macht man da, als kleines pessimistisch-realistisch veranlagtes Sensibelchen? Man macht das Beste draus. (Verrückt. Das aus meinem Mund. Der Infekt ist sicher noch immer nicht ganz abgeklungen. Laut Kollegen seh ich auch immer noch schlecht aus. Jippieh.)
Jedenfalls… Das Beste.

Das Beste war, Silvester einfach zu verschlafen und am 1. Januar ganz früh aufzustehen. Mit einigem Murren und einigen Wollenwirwirklichs und Müssenwirechts. Aber ja, wir wollten. Und ich musste. Ich musste mir vor allem etwas beweisen – dass Bewegung und frische Luft wieder gut tun und dass der Körper das mit der Bewegung und der Belastung noch hinbekommt. Also ging es in den frühen Morgenstunden in den Harz, genauer nach Schierke.
Ich spielte „Bergführer“ (Hallo Papa! Kannste das glauben? Ohne, dass du mich zwingen musstest! Ich bin freiwillig und vorneweg ‘nen Berg hoch!) und lotste uns über Sandbrinkweg, Oberer Königsberger Weg und Goethesteig auf den Gipfel.

Zugegeben, für die Gebirgsveteranen unter euch ist der Brocken mit seinen 1.142 Metern sicher eher ein plattgetretenes Hügelchen, aber für einen Flachlandindianer wie mich ist das schon eine ordentliche Höhe. Oben angekommen gab es die obligatorische Stärkung mit Erbsensuppe (aber ohne Kuchen…), dann ging es wieder raus in den Sturm, die Kälte und die langsam durchbrechende Sonne, schnell noch ein Gipfelfoto geschossen und wieder ab nach unten.

Als Rückweg hatte ich den Abstieg durch Eckerloch und Schluftwiesen auserkoren, also immer schön den Teufelsstieg entlang. Ob der Weg denn auch eisfrei wäre, danach hatte ich mich schon auf dem Gipfel bei anderen Wanderern erkundigt.
…konnt ja keiner ahnen, dass die schwindeln würden. „Jaja, alles kein Problem. Bisschen Eis, klar. Aber die Steine sind trocken.“

Letzten Endes waren die ersten Kilometer nichts als ein Gerutsche und Gehopse und Geschlittere über vereiste Steine, Wege und Holzbolen. Im Nachhinein war es aber trotz der Anstrengung ganz lustig. Die Ausrutsch-und-Hinfall-Geschichten erspar ich euch. Die machen sich als erzählte Anekdote ohnehin besser…

Kurz vor der Abzweigung des Bahnparallelwegs wurde unser Weg dann tatsächlich besser (sogar die normalen Schotterpisten waren gestreut), sodass wir dann auch etwas flinker vorankamen und der Freund sich auch kurz im runterrennen versuchte. Aber er hat schnell erkannt, dass Flucht zwecklos ist mit dem großen Rucksack. Und ich hatte ja die Autoschlüssel. (An dieser Stelle: Entschuldige, dass es wieder keinen Kuchen gab.)
Kurzer Abstecher auf die Brockenchaussee, durch die Schluftwiesen und dann waren wir auch schon wieder am Auto. Mit 17 Kilometern in den Beinen, schönen Bildern im Speicher und ordentlich durchgefroren.

Die Strecke könnt ihr euch hier anschauen, wenn ihr mögt:

https://www.strava.com/activities/818162285

Warum war diese Wanderung jetzt so wichtig für mich?
Ganz einfach. Ich hab mich so lang nicht mehr so viel bewegen können. Die Anstiege, das Wandern, der Abstieg, das Klettern – ich wollte einfach wissen, was mein Körper noch kann, was noch an Reserven da ist und was wohl in den nächsten Trainingstagen, -wochen und -monaten so auf mich zukommt.
Da die Wanderung gut verlief und ich weder Knie- noch sonstige Schmerzen zu verzeichnen hatte (vom Muskelkater mal abgesehen), war die Grundstimmung entsprechend positiv.

Montag ging’s dann endlich los, neue Laufschuhe kaufen, nachdem die alten nach nunmehr 8 Jahren endlich ihren Dienst hatten quittieren dürfen. Das gab nochmal einen kleinen Motivationsschub und tags darauf schob ich direkt die erste „richtige Sporteinheit“ hinterher.
Ich hab mir für den Wiedereinstieg zwei Programme von Neila Rey zusammengefügt, zum einen das 30-Days-of-Gravity-Programm und zum anderen das 90-Days-of-Change-Programm. Wer sich die Sachen mal ansehen möchte, der folge bitte diesen beiden Links:

http://darebee.com/programs/30-days-of-gravity.html
http://darebee.com/programs/90-days-of-action.html

Tag eins verlief gut, Tag zwei artete aus, sodass ich zusätzlich noch ein paar weitere Übungen hinzufügte, die im Bauch-Beine-Po-Kurs immer Spaß gemacht hatten – und Planks. (Ja, ich liebe Planks. Hallo 16-jähriges Ich, hörst du mich? Ich liebe Planks!)
Und trotz des Pensums habe ich noch immer keinerlei Probleme zu verzeichnen, sodass ich heute mutig und adrenalin- und endorphingeladen genug bin, um mal etwas ganz und gar Verrücktes zu machen… Und wieder laufen zu gehen.

Ich hibbel schon den ganzen Tag vor mich hin und starre ständig aus dem Fenster. Stürmt es? Ziehen Wolken auf? Friert es? Aber nein. Sonne, Wölkchen, Schneegestöber. Unter diesen Bedingungen bin ich noch letztes Jahr (aus Versehen) meinen ersten Zehner gelaufen.
Also Freude, oh Freude – die Durststrecke könnte endlich vorbei sein.

Das wäre der erste richtige verletzungsfreie Lauf seit Monaten. Mit mehr als dreieinhalb Kilometern in 30 Minuten rechne ich gar nicht. Aber ich muss raus. Ich hör die neuen Laufschuhe schon quieken. Außerdem hab ich zur Ablenkung die ganze Zeit schon klammheimlich Trainingspläne gewälzt und ansonsten gezittert, weil der erste Halbmarathon zwar erst im Mai stattfindet, aber irgendwie doch bedrohlich nah ist. „Objects in the mirror appear closer…“ Nunja.

Normalerweise wage ich es nicht, mich auf schöne Dinge zu freuen, weil sie dann schiefgehen. Aber gerade kann ich einfach nicht anders.

Wünscht mir Glück. Ihr wünscht mir doch Glück, oder?

3 Kommentare zu „Neues Jahr, neues Glück“

  1. Hi du,

    nein Glück wünsche ich dir keines 😉 Glück wirst du nicht brauchen wenn du dran bleibst und dich nicht entmutigen lässt.

    Ich wünsche dir also viel Spaß und Erfolg 🙂

    Gruß
    Sascha

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